loading
Dagobert Peche (1887–1923)

Dagobert Peche

Dagobert Peche (1887–1923)

keramik-mak-wwf-108-38-4.jpg

Dagobert Peche, einer Notarsfamilie entstammend, zeichnete sich bereits in seiner Schulzeit als künstlerisch äußerst talentiert aus. Nach seinem Schulabschluss entschied er sich jedoch für das Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Wien, da bereits ein Bruder Ernst Malerei studierte. Seine Vorliebe für das Dekorative spiegelt sich schon in seinen frühen Architekturentwürfen wider und lässt bereits das Fehlen architektonischen Denkens erkennen. So besuchte Peche parallel zur Technischen Hochschule von 1908 bis 1911 auch die Architekturklasse von Friedrich Ohmann an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Nach seinem Abschluss – es stand bald für ihn fest, dass er nicht als Architekt tätig sein wolle – hatte er jedoch trotz seiner vielfältigen Tätigkeit als Entwerfen von Möbeln, Tapeten-, Stoff- und Teppichmustern, Keramiken u. a. Schwierigkeiten, Aufträge zu bekommen.
Im Jahr 1915 trat Peche schließlich der Wiener Werkstätte bei, die er als Mitglied der künstlerischen Leitung bis zu seinem frühen Tod stilistisch stark beeinflusste. Seine ornamental verspielte Kunst steht in großem Gegensatz zur anfänglichen Stiltendenz der Wiener Werkstätte unter Koloman Moser und Josef Hoffmann. Die „wilden" 20er Jahre vorausgreifend brachte er neuen Schwung in die stark geometrisch dominierten Entwürfe der WW. Wie viele seiner Künstlerkollegen innerhalb der Wiener Werkstätte war auch Peche fächerübergreifend tätig. So entwarf er nicht nur Metallarbeiten, sondern auch Papierarbeiten, Bucheinbände, Möbel, Textilien, Tapeten, Spielzeug und vieles mehr. 1917/18 wurde er Leiter der Züricher WW-Filiale, die er auch künstlerisch gestaltete. Im Dezember 1919 wurde Peche jedoch bereits wieder nach Wien berufen, wo er gemeinsam mit seiner Familie ein einem äußerst baufälligen Haus in Ober St. Veit wohnte und so das Nachkriegselend besonders deutlich zu spüren bekam.
Im April 1923 verstarb Peche, den Josef Hoffmann als „das größte Ornamentgenie, das Österreich seit der Barocke besessen hat" bezeichnete, nach langer Krankheit.

Dagobert Peche nahm an folgenden Ausstellungen teil: 1913 Tapetenausstellung (sein erster großer Erfolg in der Öffentlichkeit), 1914 Internationale Kunstausstellung Rom, im selbem Jahr Werkbundausstellung Köln (er errichtete dort ein Boudoir im Österreichischem Haus), 1915 Modeausstellung im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie, 1920 Kunstschau sowie Deutsche Gewerbeschau München, 1923 wurde ihm posthum Dagobert-Peche-Gedächtnisausstellung gewidmet und 1925 waren seine Werke in Paris zu bewundern.



Ausgewählte Literatur:

  • Peter Noever (Hg.), Dagobert Peche and the Wiener Werkstätte, New York 2002.

  • Gabriele Fahr-Becker, Wiener Werkstätte, Köln 2003.

  • Nikolaus Schaffer (Hg.), Ausstellungskatalog Dagobert Peche 1887-1923 in seinen Zeichnungen, Salzburger Museum Carolino Augusteum, Salzburg 1987.

  • Abb.: MAK Archiv Wien, Inventarnummer WWF 108-38-4.