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Roland Rainer (1910-2004)

Der Stadthallenstuhl, um 1952

Roland Rainer (1910-2004)

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Der Doyen der österreichischen Architektur wurde 1910 in Klagenfurt geboren und studierte 1928-33 an der Technischen Hochschule in Wien Architektur. 1953-54 war er Professor an der Technischen Hochschule in Hannover, 1955-56 an der Technischen Hochschule in Graz und 1956-80 Leiter der Meisterschule für Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrendoktorate im In- und Ausland und gilt in der österreichischen Kulturlandschaft als unangefochtene Autorität.
Roland Rainer entwickelte wesentliche Überlegungen zum Thema Wohnbau. Seit Ende der vierziger Jahre widmete er sich auch verstärkt Einrichtungsfragen im privaten Bereich. Nach dem zweiten Weltkrieg setzte er sich mit den Problemen des Wiederaufbaus auseinander, 1958-63 leistete er als Stadtplaner von Wien einen wichtigen Beitrag zur Stadtentwicklung. Auch im Zusammenhang mit zahlreichen öffentlichen Bauten entstanden wegweisende Möbelentwürfe wie beispielsweise für die Wiener Stadthalle.
Der Komplex der Wiener Stadthalle entstand in Folge eines internationalen Wettbewerbs ab 1952 als locker gegliederte Gruppe verschiedenartiger Veranstaltungs-, Sport- und Trainingshallen und wird als "Schlüsselbau der Wiener Nachkriegsarchitektur" (Zitat Friedrich Achleitner) gesehen.
Die dafür entworfenen Stühle sind im Kontext der internationalen Designentwicklung zu sehen. Ein Armlehnstuhl mit Sperrholzsitzschalen und gelochter Rückenlehne wurde in Zusammenarbeit mit der Möbelfirma „Vienna Sitzmöbel und Tischfabrik Emil & Alfred Pollack" ausgeführt. Leichtigkeit und Klarheit der Konstruktion zeichnen diesen funktionalen stapelbaren Stadthallenstuhl aus. Das Modell reagiert auf die internationale Entwicklung und zeigt die Auseinandersetzung Rainers mit internationalen Möbeldesignern wie Alvar Aalto, der Möbel aus geschwungenem Sperrholz schon in den dreißiger Jahren entwickelte.
Rainer entwarf für die Stadthalle noch weitere Einrichtungselemente wie einen leichten Stuhl ohne Lochung und abgesetzter Rückenlehne, Kleiderständer und ähnliches. Gerade die Möbel tragen eine innovative Handschrift, die oft kopiert wurde. Mit dem Stadthallenstuhl gab der Architekt Roland Rainer eine neue Richtung in der österreichischen Möbelentwicklung vor und schuf einen der wichtigsten heimischen Designklassiker.
„Dass der Prophet im eigenen Lande wenig gilt, die Qualität dieser Möbelentwürfe dementsprechend erst allmählich von der Öffentlichkeit erkannt wird, hätte manch anderen schon früh resignieren lassen. Nicht so Roland Rainer, der sich nach wie vor mit Vehemenz, Engagement und Weitsicht dafür einsetzt, dass die Balance von Funktion und Materialität gewahrt bleibt. So ist es denn auch nicht verwunderlich dass man einen Rainer-Sessel mit ein wenig Übung von anderen, ähnlichen, klar unterscheiden kann."
(Ausstellung Roland Rainer – Möbel, Einfach, klar und leicht, Wien 2002)

Ausgewählte Literatur:

  • Roland Rainer. Vitale Urbanität (Kat. Ausst., Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Wien 1995), Wien 1995.

  • Eva Ottillinger (Hg.), Möbeldesign der 50er Jahre (Kat. Ausst., Museen des Mobiliendepots, Wien 2005), Wien 2005, S. 61-65, Abb. 56, 57, Kat. Nr. 53, 54.