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Jacob & Josef Kohn

Bugholzentwürfe der Wiener Moderne
Schreibtische von Jacob & Josef Kohn

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Die 1868 gegründete Bugholzproduktion von Jacob & Josef Kohn stellte bald die größte Konkurrenz für das Unternehmen Thonet, den „Erfinder“ des Bugholzmöbels, dar. Um die Jahrhundertwende wurde durch Kohn, der eine Reihe junger, avantgardistischer Architekten als Entwerfer einlud, dem Bugholzmöbel ein neues Image verliehen.
Otto Wagner und die bekanntesten und bedeutendsten Absolventen seiner Klasse ließen ihre Entwürfe bei J. & J. Kohn umsetzen.
Der Architekt Josef Hoffmann (1870-1956) begann kurz nach 1900, mit der Firma Kohn zusammen zu arbeiten und gekonnt mit den Möglichkeiten des Bugholzes zu experimentieren.
So weist der Schreibtisch Nr. 500/6, im Firmenkatalog 1904 dokumentiert, die Formensprache Hoffmanns auf: die typischen Quadrate sind mit der Bugholztechnik kombiniert, das Element der Kugel findet sich gestaltend im oberen Teil des Schreibtisches. Der Verzicht auf Ladenblöcke an den Seiten und die Abkehr von traditionellem Dekor machen diesen Schreibtisch zu einem modernen, individuellen Möbel.
Der Verzicht auf integrierten Stauraum und die Anwendung von modernem Design zeichnet auch den Schreibtisch Nr. 5/3134, entworfen von Koloman Moser (1868-1918,) aus. Dieser Schreibtisch wurde von Kohn erstmals 1902 auf der Kunstgewerbeausstellung in Turin präsentiert. Moser, der wie Hoffmann die gestalterischen Möglichkeiten von gebogenem Holz erkannte und nutzte, bildete die Rückwand des Tisches schalenförmig aus. Seitlich ist die Schale nicht bis vorne geführt, wodurch ein eleganter, leichter Eindruck erzeugt wird. Der geschwungene Oberteil der Rückwand bietet zudem Platz für einen eingesetzten Spiegel.
Die Schreibtischmodelle der beiden prominenten Designer des Wiener Jugendstils wurden von Kohn auf derselben Katalogseite im Jahr 1904 präsentiert und dokumentieren die unterschiedlichen Ansätze, die zu zeitgemäßen Entwurfslösungen führten.

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Ausgewählte Literatur:

  • Die Kunst 6, 1902, S. 457.

  • Against the Grain, Bentwood Furniture from the Collection of Fern and Manfred Steinfeld, Chicago 1993, S.85.

  • Maria Rennhofer, Koloman Moser, Leben und Werk 1868-1918, Wien 2002, S. 170ff.

  • Koloman Moser, 1868-1918, Ausstellungskatalog Leopold Museum, Wien 2007, S. 121.