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Werkstätte Hagenauer

Werkstätte Hagenauer

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Patrick Kovacs beschäftigt sich seit Jahren mit dem vielfältigen Angebot der Werkstätte Hagenauer, das neben Metallgegenständen aller Art in Messing, Bronze und Leichtmetall auch Möbel, Lampen, Keramik, Glas, Holz und geflochtene Objekte umfasste. Die Punzierung der Metall-, aber auch Holzgegenstände blieb ein wichtiges Markenzeichen der Firma. Neben dem Werkstättenzeichen WHW in zwei Größen und der Wortmarke "Werkstätte Hagenauer Wien" oder "Hagenauer Wien" waren "Handmade" und "Made in Austria" oder "Made in Vienna Austria" in Verwendung. Neben der genauen Kenntnis der Punzierungen verfügt Patrick Kovacs auch über das Fotoarchiv von Edwin Babsek, der nach dem 2.Weltkrieg Fotograf für Hagenauer war, sowie historisches Material zur Zuordnung und Datierung vieler Objekte.

„HAGENKUNST”

Die Telegrammadresse "Hagenkunst" der Werkstätte Hagenauer in Wien VII im Jahr 1928 gibt einen ersten Hinweis auf das Selbstverständnis dieses 1898 gegründeten Betriebes mit Spezialisierung auf Metallprodukte. Unter Karl Hagenauer (1898-1956), dem Sohn des Firmengründers, der an der Kunstgewerbeschule bei Josef Hoffmann und im Umkreis der Wiener Werkstätte studiert hatte, kam es zu einer zeitgemäßen Ausprägung der Produktion.
Im Jahr 1928 setzte die Werkstätte Hagenauer mit der Herausgabe ihres Verkaufskataloges einen bedeutenden neuen Schritt zur Vermarktung ihres kunsthandwerklichen Angebotes. Detailliert wurde eine Reihe von Gegenständen dargestellt, die zur Verwendung im bürgerlichen Haushalt gedacht waren. Dieser Katalog ist als Reprint erhältlich.
Auf den ersten Seiten waren zahlreiche Kleinskulpturen abgebildet, die die Funktion eines Aschentöters oder einer Petschaft hatten. Dabei handelte es sich um unterschiedlichste, häufig auch humoristische Tierdarstellungen, die Lust zum Erwerb von Hagenauerfiguren machten. Weitere Produktgruppen umfassten Zündholzbehälter, Ascheschalen, Leuchter, Vasen, Buchstützen, Schreibzeuge und Lampen. Für Automobilisten stand eine Auswahl von Kühlerfiguren zur Verfügung, um als Maskottchen die Motorhauben zu zieren. So war für jeden Anspruch etwas bei Hagenauer zu finden. Heute ermöglicht der Katalog jedem Sammler einen Überblick und bietet eine Möglichkeit zur Einordnung seiner Objekte.
Durch die beiliegende Preisliste ist die damalige Wertigkeit zu erkennen, vor allem Schalen, Lampen und Kassetten zählten damals zu den Luxuswaren.
Auf den Seiten 27 und 28 waren weiters getriebene Platten und Figuren erfasst, die 1925 in Paris gezeigt worden waren. Sie waren Teil des sogenannten „Metall-" oder „Kultraumes” auf der „Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes”. Dieser Raum war von Schülern Anton Hanaks, zu denen auch Franz Hagenauer zählte, gestaltet worden.
Diese Metallpaneele und vollplastischen Figuren dokumentieren ebenso wie die dem Katalog beigefügte Auflistung der erhaltenen Preise und Ausstellungsbeteiligungen die öffentlichen Auftritte seit der Jahrhundertwende im In- und Ausland. Dabei ist das Bestreben der beiden Hagenauer Brüder Karl (1898-1956) und Franz (1906-1986) zu erkennen, ihren metallverarbeitenden Betrieb in eine kunstgewerbliche Werkstätte zu verwandeln. So ist auch die Bezeichnung „Hagenkunst” in der Telegrammadresse zu verstehen.

Der Zettelkatalog von 1957

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Dieser Produktkatalog war mit einer einfachen Heftung versehen, die eine Erweiterung mit einzelnen Blättern in folgenden Jahren vorsah. Mit Hilfe der historischen Unterlagen und des Babsek-Archivs, das Fotos von Objekten der Werkstätte Hagenauer umfasst, war es Patrick Kovacs möglich, eine große Zahl von Einzelblättern zu rekonstruieren. Basis dafür war die Preisliste vom Jänner 1957, die neben der Produktnummer, der Objektbezeichnung und den Maßen durch eine Preisangabe in D-Mark einen Eindruck von der Wertigkeit der Objekte gibt. Diese bearbeitete Edition des Kataloges von 1957 erschien anlässlich der Hagenauer-Ausstellung 2011 und ist hier erhältlich.

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Ausgewählte Literatur:

  • Ausstellungskatalog: Hagenauer, Wiener Moderne und neue Sachlichkeit, Olga Kronsteiner (Kuratorin), Monika Wenzl-Bachmayer (Hrsg.), Wagner:Werk Museum Postsparkasse, Wien 2011.