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Wiener Werkstätte

Wiener Werkstätte (1903-1932)

Zur Punzierung der Metallgegenstände


Seit dem späten 18. Jahrhundert gibt es in Österreich Vorschriften zur Punzierung von Edelmetallgegenständen, die neben einer stilistischen Zuordnung auch eine visuelle Überprüfung ermöglichen. Die Meisterpunze und die Amtspunze unterlagen der strengen Prüfung der Punzierungsbehörde in der Entstehungszeit. Auch die 1903 gegründete Wiener Werkstätte unterlag dieser Punzierungsvorschrift bei den Edelmetallgegenständen, die in der eigenen Werkstatt hergestellt wurden. Dabei kamen mehrere Punzen zum Einsatz, darunter neben solchen für die Werkstätte auch weitere für die entwerfenden Künstler und ausführenden Handwerker. Die Punzen waren nicht nur auf Objekten aus Edelmetall zu finden, sondern auch auf weiteren Metallgegenständen aus Bronze u.ä. Diese Kennzeichnungen sind ein wesentliches Erkennungsmerkmal der beliebten Sammelobjekte der Wiener Werkstätte, haben aber auch Fälscher auf den Plan gerufen.

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Ein neues Punzenüberprüfungsverfahren schützt nun Kunstsammler vor Fälschungen:
Vor über 10 Jahren entwickelten der Kunstexperte Patrick Kovacs, gerichtlich beeideter und zertifizierter Sachverständiger für Kunst und Antiquitäten, und der akademische Restaurator Mag. Erich Scheidl, Absolvent der Hochschule für Angewandte Kunst, eine Methode zum verständlicheren Umgang mit punziertem Gold, Silber und Metallgegenständen. Diese Methode steht dem Kunst- und Antiquitätenmarkt als Sicherungsinstrument zur Verfügung und ermöglicht eine neue und präzise Abbildung des dualen Punzenbildes (Amtspunze + Meisterpunze). Ausgangspunkt war der Mangel an messbarer Genauigkeit in der Darstellung bei der Fotografie: Der Abstand zum Objekt, die Größe des Fotos und die Umsetzung des dreidimensionalen Punzen in eine zweidimensionale Fotoebene verhinderten eine vergleichbare Vermessung. Das Ziel war somit, einen messbaren Vergleich zu finden.

Die Methode K & S Punzenprüfung, Wien
Die Untersuchungen betreffen den Punzengrund und erzeugen einen maßstabsgetreuen Abdruck. Dieser ermöglicht im Vergleich mit weiteren Punzenbildern neue Erkenntnisse zur Verwendung, Alter und Beschaffenheit.
Als erste Serie wurden die Punzierungen an WW-Objekten mittels der K & S Punzenprüfung in Wiener Museen untersucht. Mittlerweile haben wir um die 300 Wiener Werkstätte-Punzen archiviert und konnten mit Hilfe des WW-Archivs genaue Datierungen zu den verwendeten Punzen erarbeiten.

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Ergebnisse
• 1:1 Darstellung des Punzenbildes
• Eingrenzung des Zeitraumes der Punzierung
• Punzendetails
• Beschau Amtspunze
• Fälschungserkennung
Neben der Untersuchung der Punzen hat sich die Untersuchung des Materials mittels einer Röntgenfluoreszenz-Analyse (RFA) bewährt. Diese erfolgt zerstörungsfrei und gibt die technisch-chemische Zusammensetzung des verwendeten Materials bekannt.

Anwendungen
• Echtheitsbestimmung von punzierten Objekten
• Feststellung und Prüfung von Datierungen
• Expertisen zu punzierten Objekten
• Fälschungserkennung (Sachverständigengutachten)

Lesen Sie mehr dazu: Das Ablaufdatum der Punzen. Von Olga Kronsteiner (Standard, 2006).

Ausgewählte Literatur:

*Waltraud Neuwirth: Wiener Werkstätte. Die Schutzmarken. Band I, Rosenmarke und Wortmarke, Wien 1985.
*Der Preis der Schönheit, 100 Jahre Wiener Werkstätte, Ausstellungskatalog Museum für angewandte Kunst, Wien 2003.